Taramundi: Wald, Wasser und wilde Einfälle

Stell dir einen Spaziergang mit jemandem vor, der alle zwanzig Meter sagt: „Warte kurz, das will ich mir anschauen.“ Erst ein bemooster Stein. Dann ein Rad. Dann eine winzige Tür, für die man bestimmt ein Passwort braucht. Wir wollten eine Runde drehen und suchen jetzt eine Wohnung für einen Waldwichtel.

So nähern wir uns Taramundi im Westen Asturiens gern: neugierig auf den wirklichen Ort, mit Platz im Kopf für eigene Einfälle. Sein Name gehört auch zur Fantasiewelt der Magikitos. In unserem Geschichtenwald dürfen winzige Nachbarn um eine Kastanie streiten. Der echte Ort und sein Handwerk verdienen einen eigenen, genaueren Blick.

Eine Pause im Wald, das Butterbrot kann warten

Die Gemeinde beschreibt auf der Ruta del Agua zwischen Esquíos und As Veigas Kastanienbestände, stellenweise mit Eichen und Birken.

Da gibt es schon genug zu sehen. Ein krummer Ast wird zum Arm, eine Wurzel zur Türschwelle und ein dunkles Loch zum Hauseingang. Dann schaut dein Begleiter hin und sagt: „Ich seh da eher eine Kartoffel.“ Das war's mit der feierlichen Waldstimmung. Besten Dank auch.

Kommt Nebel auf, verändert sich die Szene. Kommt die Sonne heraus, ebenfalls. Das Wetter muss keine Buchillustration nachspielen, damit sich das Hinschauen lohnt. Und nicht jeder Baum braucht ein sagenhaftes Alter. Rinde, Blätter und die Form der Zweige bieten genug Gesprächsstoff.

Ähnlich geht es uns mit Pilzen und ihren ausgedachten Nachbarn. Eine kleine Form setzt eine ganze Geschichte in Gang. Du kannst sie anschauen, stehen lassen und den Einfall mitnehmen. Passt in jede Tasche und verteilt keine Erde im Auto.

Ein Taschenmesser, bei dem sich das Hinsehen lohnt

Das Messermuseum in Pardiñas verbindet Handwerksgeschichte und heutige Fertigung. Zu seinem Angebot gehört eine Werkstatt, die man durch eine verglaste Galerie beobachten kann.

Ich sehe gern zu, wenn etwas entsteht. Das fertige Stück zeigt das Ergebnis. Die Arbeit wirft andere Fragen auf: Wie passen die Teile zusammen? Was verändert der Mensch, der sie bearbeitet? Wann ist ein Detail fertig? Auf einmal gibt es über den Gegenstand viel mehr zu erzählen.

Dazu dürfen neue Werkzeuge, Anpassungen und praktische Entscheidungen gehören. Wer ein Handwerk bewundert, muss es nicht für sein Urlaubsfoto einfrieren wollen. Mich interessiert, dass jemand das Handwerk beherrscht, sein Wissen weitergibt und dazulernt.

Darum achten wir bei handgemachten Figuren auch auf den Gesichtsausdruck und die kleinen Unterschiede. Ein schiefes Grinsen macht manchmal neugieriger als eine feierliche Pose. Besonders wenn der Kerl aussieht, als hätte er etwas kaputt gemacht und bastelte gerade an einer ziemlich schlechten Ausrede. Darüber ließe sich herrlich quatschen.

In Os Teixois arbeitet das Wasser mit

Die Gemeinde nennt einen Beleg von 1752 für das Hammerwerk von Os Teixois. Ein konkretes Datum, an dem wir seine Geschichte festmachen können.

Zum Ensemble gehören Hammerwerk, Getreidemühle, Schleifstein, Walkwerk und Kraftwerk. Letzteres ging laut Denkmalunterlagen 1942 in Betrieb.

Wasser dreht das Rad. Nocken, also Vorsprünge an der Welle, heben den Hammer an und geben ihn frei: Eisenkopf, Holzstiel. So beschreibt eine technische Untersuchung den Ablauf.

Jetzt stell dir den Moment vor, in dem du es kapierst. Eben hast du noch mit deinem besten „Ja, sehr hübsch“-Gesicht vor einer alten Maschine gestanden. Plötzlich verstehst du die Bewegung. Ach so läuft das! Ein herrliches kleines Aha. Sofort willst du es dem Nächsten erklären, auch wenn er mit dir gekommen ist und es längst begriffen hat.

Das Walkwerk bearbeitet Gewebe mit Schlägen, damit es dichter und widerstandsfähiger wird. Die Mühle mahlt Getreide, der Schleifstein schärft Schneidwerkzeuge.

Verschiedene Maschinen, verschiedene Aufgaben. Wer sie auseinanderhalten kann, versteht auch, was hinter dem Lärm und der Bewegung steckt. Neben dem Einfallsreichtum verdient auch die Arbeit dahinter Aufmerksamkeit: Solche Anlagen brauchen Menschen, die sie verstehen, warten und erhalten. Der gesunde Menschenverstand allein wechselt kein verschlissenes Teil aus.

Mazonovo hat einen eigenen Namen

Das Mühlenmuseum von Mazonovo verbindet restaurierte Mühlen mit Nachbauten. An einigen Anlagen können Besucher das Mahlen selbst ausprobieren.

Mazonovo ist hier der Ortsname. Ein Hammer schlägt, eine Mühle mahlt, und der Name sagt uns, wo wir sind. Mit diesen Unterschieden wird der Spaziergang gleich verständlicher.

Selbst auszuprobieren hat außerdem seinen Reiz. Es ist eine Sache, einem Mechanismus zuzusehen, und eine andere, den nötigen Kraftaufwand zu spüren. Wenn demnächst jemand sagt: „Das mache ich dir in fünf Minuten“, haben wir beim Butterbrot ein Gesprächsthema.

Ein Herbst, der in eine Geschichte passt

Denken wir uns eine Szene aus. Da liegen feuchte Blätter, eine Kastanie ist auf den Weg gerollt, und ein Magikito behauptet, das sei sein Hocker. Seit zehn Minuten beschwert er sich. Sein Nachbar bietet ihm eine Eichel an und macht den Streit damit noch schlimmer.

Eine Landschaft kann Lust auf solche Geschichten machen. Dafür müssen wir keinem Bewohner Worte in den Mund legen oder die Leute zu Figuren unserer Erzählung machen. Wir können ihre Arbeit schätzen und unseren eigenen Quatsch genießen. Jeder behält seine Stimme.

Wenn du Gestalten aus den Überlieferungen der Region kennenlernen möchtest, haben der Trasgu und andere asturische Wesen eigene Geschichten. Eine heute erfundene Erzählung und eine vor hundert Jahren gesammelte Sage dürfen am selben Tisch sitzen. Man sollte sie nur richtig vorstellen.

Was die Magikitos mitnehmen

In unserer Fantasiewelt entstehen Magikitos, wenn jemand fröhlich in den Wald kackt. Deutlich weniger feierlich, als aus einem uralten Edelstein zu schlüpfen. Es steht ihnen ausgezeichnet. Die Figuren aus Kaltporzellan stellen diese Wesen dar.

Taramundi lädt in dieser Fantasiewelt zum Hinschauen ein: Wasser, Werkzeuge, Bäume und kleine Formen, bei denen wir länger hängen bleiben als geplant. Danach macht die Fantasie ihr Ding. Sie setzt einem Nachbarn eine Mütze auf, quartiert ihn unter einer Wurzel ein und verwickelt ihn in einen absurden Streit über Kastanienmöbel.

Ich bin wieder bei unserem Spaziergang. Du willst weiter, jemand hockt neben einer Wurzel, und das Butterbrot wartet. „Ich komme gleich.“ Von wegen. Gerade hat das Wichtelhaus ein Fenster bekommen.

Ist das Taramundi der Magikitos der wirkliche Ort?

Der Name bezieht sich auf Taramundi in Asturien. Unser Wald und seine Bewohner sind jedoch erfunden. Für die hier erwähnten wirklichen Orte und Handwerke nennen wir eigene Quellen.

Sind Os Teixois und Mazonovo derselbe Ort?

Nein. Es sind verschiedene Orte in der Gemeinde Taramundi. Wir haben Informationen zu beiden verlinkt, damit du ihre Namen zuordnen kannst.

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