Wichtel ist kein Eigenname. Es ist eine Gattungsbezeichnung, ungefähr so wie Hund oder Vogel. Wenn dein Wichtel ins Haus einzieht, hat er also genauso wenig einen Namen wie ein neugekaufter Welpe vor der ersten Woche. Den Namen gibst du ihm. Und der Name ist mehr als ein Etikett, er ist die Grenze zwischen einer Figur, die du irgendwann wegräumst, und einem kleinen Familienmitglied, das jedes Jahr im Dezember wieder aus seiner Box rauskommt und vorsichtig auf das Regal zurückgesetzt wird.
Wir Magikitos haben in unseren Jahrhunderten Werkstatt-Erfahrung über fünfzig Wichtel-Namen gesammelt, einige uralt aus der germanischen und skandinavischen Folklore, einige regional aus dem deutschen Sprachraum, einige modern und ein bisschen frech. Heute sortieren wir sie für dich nach Herkunft und Bedeutung, plus ein paar Tipps für die Wahl. Wenn du den Kontext der Wichtel-Folklore noch nicht hast, mach einen Umweg durch unseren Wichtel-Folklore-Artikel bevor du hier weitermachst, das macht die Namen lebendiger.
Wie heißt der Wichtel?
Der klassische deutsche Sammelbegriff lautet schlicht Wichtel, manchmal in der Verkleinerungsform Wichtelmännchen für die ganz kleinen Vertreter. Daneben existieren zahlreiche regionale Begriffe (Heinzelmännchen in Köln, Klabauter in der Seefahrt, Schratl in Bayern), und für die nordischen Cousins haben sich Tomte (Schweden) und Nisse (Dänemark/Norwegen) als die bekanntesten Eigenbezeichnungen eingebürgert. Wenn jemand dich fragt, wie dein Wichtel heißt, ist die richtige Antwort kein Gattungsname, sondern ein Eigenname, den du selbst für ihn ausgesucht hast. Wichtel als Antwort wäre so, als würde dein Hund Hund heißen.
Der Eigenname kann aus der Folklore kommen, aus einer Region, aus einem alten Vornamen, aus einem Wortspiel oder schlicht aus dem Gesicht deines Wichtels. Wichtig ist nur, dass er fest ist und in der ganzen Familie konsequent benutzt wird, sonst löst sich die Magie schneller auf, als du gucken kannst.
Welche Wichtelnamen sind beliebt?
Beliebt sind kurze, klangvolle Namen mit einer leicht altmodischen oder folkloristischen Anmutung: Tomte, Nisse, Heini, Bruno, Sepp, Hansi sind in deutschen Familien seit Jahren am häufigsten anzutreffen. Bei Familien mit nordischem Bezug oder skandinavischem Geschmack führen Tomte und Nisse die Liste mit deutlichem Abstand an. Bei rheinischen Familien dominieren Heinzelmännchen-Ableitungen (Heini, Heinrich, Hannes), bei bayerischen das alpenländische Repertoire (Sepp, Bertl, Kasperl, Schratl). Beliebt ist also nicht eine universelle Liste, sondern eine regionale Vorliebe, und das ist eigentlich genau das Schöne daran.
Wir Magikitos beobachten in den letzten Jahren auch einen Trend zu modernen, originellen Namen (Knurz, Krümel, Polter, Putzi), die nicht direkt aus der Folklore stammen, aber durch Klang oder Bedeutung trotzdem eindeutig wichteltauglich sind. Das ist legitim, solange der Name ernst gemeint und konsequent verwendet wird. Magie verträgt Tradition genauso wie Neuanfänge.
Was bedeutet Tomte, Nisse und Wichtel?
Drei Wörter aus drei verwandten Sprachen, die alle dasselbe Wesen meinen mit leicht verschobenen Akzenten. Wichtel kommt aus dem althochdeutschen wiht für kleines Wesen oder Lebewesen, ist seit dem Mittelalter im deutschen Sprachraum belegt und bezeichnet einen kleinen, oft hilfreichen Hausgeist mit Zipfelmütze. Tomte stammt aus dem altschwedischen tomter für den Geist eines Hofs (vom altnordischen tomt, Hofstelle), und bezeichnet konkret den Hofwichtel, der ein bestimmtes schwedisches Bauerngut bewacht. Nisse ist die dänisch-norwegische Form, abgeleitet vom Vornamen Nils (kurz für Nikolaus), und meint den freundlichen Hausgeist, der seinen Reisbrei am Heiligabend bekommt oder sonst die Türen quietschen lässt. Alle drei sind enge Verwandte, alle drei sind klein, alle drei vertragen Milch und respektvolle Behandlung gut.
Sprachlich interessant ist die Verbindung von Nisse mit Nikolaus, weil sie zeigt, wie tief Folklore und christliche Tradition in Skandinavien miteinander verwoben sind. Der dänische Nisse ist sozusagen ein heruntergebrochener Nikolaus, der nicht auf großen Schlitten reist, sondern in der Scheune des Hofes wohnt und auf das Vieh aufpasst. Diese Verschmelzung ist einer der Gründe, warum die Tradition heute so robust ist.
20 klassische deutsche Wichtel-Namen mit Bedeutung
Zwanzig Namen aus dem alten deutschen Sprachraum, die seit Jahrzehnten in deutschen Wohnungen für die kleinen Hausgeister verwendet werden. Jeder Name hat eine eigene Herkunft, eine kleine Geschichte, und passt zu unterschiedlichen Wichtel-Charakteren. Wähl nach Klang und nach dem Bauchgefühl, wenn du den Namen mit dem Gesicht deines Wichtels in Verbindung bringst.
- Wichtelmännchen — der Klassiker, kleine magische Verkleinerungsform
- Heinzelmännchen — Köln, kleiner Heinz, Werkstätten-Hausgeist
- Heini — Kurzform von Heinrich, freundlich und vertraut
- Bruno — der Braune, passt zur Hautfarbe der traditionellen Wichtel
- Hansi — kleiner Hans, klassischer Hausgeist-Name
- Sepp — bayerische Verkleinerung von Josef, gemütlich
- Bertl — bayerisch, kurz und freundlich
- Otto — der Wohlhabende, althochdeutsch, kurz
- Kuno — alter germanischer Name, der Kühne
- Karli — Verkleinerung von Karl, der Mannhafte
- Friedhelm — Friede plus Helm, schützender Geist
- Wilhelm — der Willensstarke, alter Wichtel mit Charakter
- Tilli — der Wachsame, alte Verkleinerung
- Ludi — kurzer fester Name, leicht zu rufen
- Erwin — der Ehrenfreund, althochdeutsch
- Wenzel — alter slawisch-deutscher Name
- Kasperl — der Verspielte, aus dem bairischen Theater
- Knecht Ruprecht — kleiner Rupert, Begleiter des Nikolaus
- Pumuckl — der kleine Plagegeist, bairische Erfindung
- Schorsch — bayerische Form von Georg
15 nordische und skandinavische Wichtel-Namen
Fünfzehn Namen aus der nordischen Folklore, die in deutschen Familien mit skandinavischem Geschmack oder einer Vorliebe für die kühle Magie des Nordens besonders gut funktionieren. Jeder dieser Namen hat eine konkrete folkloristische Wurzel, die du deinen Kindern erzählen kannst, was den Wichtel sofort mit einer kleinen Hintergrundgeschichte ausstattet.
- Tomte — schwedisch, der Hofwichtel, vom altnordischen tomt für Hofstelle
- Nisse — dänisch-norwegisch, der freundliche Hausgeist, abgeleitet von Nils
- Tomten — schwedische Variante mit bestimmtem Artikel
- Tomtegubbe — schwedisch, der alte Tomte, mit grauem Bart
- Tomtenisse — alter Hofgeist, schwedisch-dänische Mischform
- Tonttu — finnisch, der finnische Hauswichtel
- Husnisse — norwegisch, der Hausnisse im engsten Sinn
- Fjøsnisse — norwegisch, der Stallnisse, beschützt das Vieh
- Gårdsnisse — der Hofnisse, ähnlich dem Tomte
- Skogsnisse — schwedisch, der Waldnisse, im Forst wohnend
- Stallnisse — der Stallwichtel, schützt das Vieh
- Tursås — alter finnischer Wichtel, archaisch und seltener verwendet
- Klabauter — niederdeutsch und nordisch, der Schiffsgeist
- Polter — Kurzform von Poltergeist, freundlich umgedeutet
- Snårnisse — Nisse des Dornengestrüpps, alte Mythologie
15 regionale Wichtel-Namen aus dem deutschen Sprachraum
Fünfzehn Namen, die in bestimmten Regionen des deutschen Sprachraums verwurzelt sind und einen sofort lebenden Ortsbezug herstellen. Wenn deine Familie eine regionale Herkunft hat oder einen besonderen Bezug zu einer Landschaft, ist hier ein passender Name oft schneller gefunden als in den klassischen Listen. Jeder dieser Namen trägt einen kleinen Geschmack seiner Heimat mit sich.
- Schratl (Bayern, Alpenraum) — alter Waldgeist mit eigenwilligem Charakter
- Pelzmärtel (Franken) — Begleiter des Heiligen Martin im November
- Lutz (Schwaben) — kurz, freundlich, klassisch alemannisch
- Buttje (Norddeutschland) — der kleine Bursche im Plattdeutschen
- Petermännken (Mecklenburg) — Schlossgeist von Schwerin, sagenumwoben
- Pukenburger (Nordsee) — der kleine Puk, alter Hausgeist der Küstenregionen
- Hödekin (Hildesheim) — mittelalterlicher Geist mit Hut, niedersächsisch
- Stickel (Schwaben, Allgäu) — kurzer Klangname, alpenländisch
- Gnurzel (alpenländisch) — knurrige Verkleinerung, charakterstark
- Klüpperle (alemannisch) — der kleine Klopfer, der Lärm in der Nacht macht
- Hutzel (südwestdeutsch) — die Falte, treffend für ältere Wichtel mit viel Charakter
- Männlin (südwestdeutsch) — kleines Männlein, schwäbische Diminutivform
- Knurz (rheinländisch) — kleiner Knirps, anschaulich rheinländisch
- Putzemännchen (Sachsen) — der ordentliche Hausgeist
- Buschmännlein (Schwarzwald) — Waldgeist des deutschen Südwestens
Wie wählt man einen passenden Wichtelnamen?
In drei Schritten, die zusammen unter fünf Minuten dauern sollten. Erstens: schau dir deinen Wichtel ohne Vorurteil an. Sein Gesichtsausdruck, seine Haltung, seine Farbe, die Form seiner Mütze, die Stellung seiner Arme, alles erzählt schon eine kleine Geschichte über seinen Charakter. Zweitens: wähle das Register, das zu deiner Familie passt. Klassisch deutsch, nordisch-skandinavisch oder regional aus eurer Heimatregion. Drittens: sprich drei Namen aus diesem Register laut aus, und behalte den, der nicht nur in dein Ohr passt, sondern den auch dein Wichtel zu beantworten scheint, wenn du ihn ansprichst. Das ist die unwissenschaftliche, aber zuverlässige Methode, die wir Magikitos seit Jahrhunderten verwenden.
Eine Magikitos-Spezialität für unentschlossene Familien: schreibe die drei besten Kandidaten auf drei Zettel, lege sie unter den Wichtel über Nacht, und am nächsten Morgen ziehst du einen heraus. Welcher gezogen wird, ist der vom Wichtel selbst bevorzugte. Diese kleine Ritualisierung der Entscheidung hilft besonders bei Familien mit mehreren Kindern, weil sie Streit verhindert und gleichzeitig der ganzen Sache einen magischen Anstrich gibt.
In Carmens Werkstatt in Taramundi stellen wir Magikitos uns oft die Frage, ob ein Wichtel seinen Namen schon vor der Schnitzerei hat, oder ob er ihn erst beim Einzug ins Haus bekommt. Wir sind nach Jahrhunderten zu der Überzeugung gekommen: der Wichtel kennt seinen Namen schon, aber er flüstert ihn dir erst, wenn du ruhig genug bist, um zuzuhören.
Das ist keine Esoterik. Es ist die praktische Beobachtung, dass die besten Namen kommen, wenn man nicht angestrengt sucht, sondern den Wichtel einfach ein paar Minuten anschaut und still wartet.
Wo findest du einen handgemachten Wichtel mit Charakter?
Bei jemandem, der jedem Wichtel ein eigenes Gesicht gibt, kein Massenprodukt. Wir Magikitos arbeiten zusammen mit Carmen in Taramundi, die jeden Wichtel aus Lindenholz schnitzt, in Wollfilz kleidet und ihm ein unverwechselbares Gesicht gibt. Du findest unsere Wichtel in der Sammlung der Kobolde und die kleinen Zubehör-Stücke, die ihn begleiten, in unseren Schätzen. Und wenn du noch tiefer in das Thema einsteigen willst: unsere Artikel über die Wichtel-Folklore, das Wichteln-Geschenkritual und die 24 Streich-Ideen runden das Bild ab.
Ein Wichtel ohne Namen ist eine Figur. Mit Namen ist er ein kleines Familienmitglied, das im Dezember erwartet wird.
Die Magikitos, aus der Werkstatt in Taramundi
Soll der Name des Wichtels geheim bleiben?
Nein, im Gegenteil, der Name des Wichtels gehört in den täglichen Gebrauch der Familie. Je öfter er ausgesprochen wird, desto fester wird das Wesen des Wichtels. Die Kinder rufen ihn beim Namen, wenn sie morgens nach dem Streich schauen, die Eltern schreiben den Namen oben auf seine kleinen Briefe, und nach einer Woche sagt im Haus niemand mehr Wichtel, sondern Bruno oder Heini oder Tomte. Diese Umwandlung von Gattungsbezeichnung zu Eigenname ist genau der Prozess, der den Wichtel zu einem echten Familienmitglied macht.
Was geheim bleiben darf, ist die Entstehungsgeschichte des Namens: wer ihn vorgeschlagen hat, warum ihr ihn ausgesucht habt, welcher Zettel aus der Box gezogen wurde. Diese kleinen Familiengeheimnisse machen die Wahl persönlich und sorgen dafür, dass das Ritual jedes Jahr beim Auspacken des Wichtels wieder erzählt wird. Mündliche Mini-Mythologie, das ist die Substanz von Traditionen.
Wann gibt man dem Wichtel seinen Namen?
Idealerweise innerhalb der ersten 24 Stunden nach seinem Einzug. Wenn der Wichtel am 1. Dezember morgens ankommt, soll er bis zum Abend desselben Tages einen festen Namen haben, der ab dem 2. Dezember konsequent in der ganzen Familie verwendet wird. Diese frühe Namensgebung verhindert, dass der Wichtel emotional ungebunden bleibt, was zur Folge hätte, dass die Streich-Tradition weniger packend wirkt. Ein Wichtel ohne Namen am 5. Dezember ist ein dekorativer Gegenstand. Ein Wichtel mit Namen am 5. Dezember ist Sepp aus dem Allgäu, der heute Nacht etwas Lustiges mit der Salzstreuer-Sammlung gemacht hat.
Wenn du den Namen aus irgendeinem Grund nicht in den ersten 24 Stunden vergibst, ist das kein Drama, du kannst ihn auch noch in den ersten drei Tagen geben, vielleicht sogar als eigenes kleines Ritual am dritten Abend. Ab dem vierten Tag wird es allerdings zunehmend schwierig, weil die Kinder schon eigene Spitznamen entwickelt haben, und ein offizieller Name fühlt sich dann aufgesetzt an. Lieber früh und bewusst, als spät und gezwungen.
Hat dein Wichtel erst einen Namen, fehlt nur noch er selbst: unsere handgemachten Wichtelgeschenke kommen schon mit eigenem Namen und Charakter.