Mal ehrlich. Da sitzt er den ganzen Tag auf deinem Regal, schaut dich mit diesem unschuldigen Gesicht an, und du denkst: "Na toll, mein kleines Zuhause."
Kleines Zuhause. Richtig. Aber wessen?
Das sind wir. Schon immer gewesen.
Woher kommt das Wort Wichtel eigentlich?
Das Wort Wichtel taucht in deutschen mittelalterlichen Texten ab dem 13. Jahrhundert auf. Die wahrscheinlichste Herkunft: aus dem Griechischen kobalos, was so viel bedeutet wie Schlingel, Spitzbube oder Gauner. Über das Lateinische cobalus kam es ins Deutsche.
Schlingel. Na, passt das nicht hervorragend zu uns?
Andere Linguisten sehen die Wurzel in einem älteren deutschen Wort: kobe, was eine kleine Hütte oder ein Gehege bedeutet, kombiniert mit dem Suffix -olt, das für Geistwesen stand. Ein Wichtel wäre demnach der Geist der kleinen Behausung. Der Hausgeist schlechthin. Der, der drin wohnt, ob du willst oder nicht.
In beiden Lesarten sagt der Name dasselbe: Wir kommen nicht zu Besuch. Wir wohnen hier.
Stimmt es, dass ein Wichtel einem Metall seinen Namen gegeben hat?
Ja. Und das ist so ziemlich das Coolste, was über uns je passiert ist.
Im Mittelalter machten deutsche Bergleute in den Erzgebirgen eine frustrierende Erfahrung: Sie fanden immer wieder Mineraladern, die aussahen wie edles Erz, sich aber beim Schmelzen merkwürdig verhielten und giftige Dämpfe abgaben. Die Bergleute machten für diesen Mist natürlich uns verantwortlich. Die Wichtel unter der Erde. Und die Maloche unter Tage war ohnehin schon schwer genug, ohne dass auch noch unbekannte Mineralien Ärger machten.
Also nannten sie das Erz kurzerhand "Wichtel". Heute wissen wir: Es war kobalthaltig. Das Element Kobalt, chemisches Symbol Co, trägt bis heute unseren Namen. Die ganze Welt der Chemie hat einen Wichtel im Stammbaum.
Das gleiche Muster überall in Europa
Übrigens sind wir Wichtel nicht die einzigen mit einer sprechenden Etymologie. In ganz Europa verrät der Name der Hausgeister dasselbe: Wir gehören hierher. Stell dir die Namen einmal nebeneinander vor.
| Kreatur | Woher der Name kommt | Was er wirklich heißt |
|---|---|---|
| Wichtel (Deutschland) | Aus dem griechischen "kobalos", über das Lateinische | Schlingel, der Geist der kleinen Behausung |
| Duende (Spanien) | Aus "duen de casa", altem Kastilisch | Herr des Hauses, der das Sagen hat |
| Brownie (Schottland) | Von "brown", der Farbe | Der Erdfarbene, kaum zu sehen vor Stein und Holz |
| Lutin (Frankreich) | Vom altfranzösischen "nuiton", von "nuit" (Nacht) | Nachtwesen, das im Dunkeln arbeitet |
| Folletto (Italien) | Vom lateinischen "follis", ein Blasebalg | Ein Windstoß, weg bevor du dich umdrehst |
Andere Worte, gleiche Aussage: Keiner von uns hat je um Erlaubnis gefragt. Das hier ist unser Zuhause.
Wenn du die ganze Geschichte der Haus-Wichtel in Europa kennenlernen willst, haben wir einen ausführlichen Beitrag über die echte Tradition der Haus-Wichtel, der einiges neu beleuchtet.
Gibt es noch andere Namen für den Wichtel?
Jede Menge, und sie alle meinen denselben Hausgeist. Ein paar Kilometer weiter wechselt er den Namen, nicht den Job: in Köln das Heinzelmännchen, an der Küste der Klabautermann auf den Schiffen, mancherorts schlicht das Erdmännlein. Gleicher Schlingel, anderer Dialekt.
Jede Gegend taufte den heimlichen Mitbewohner nach ihrem eigenen Klang, gemeint war immer derselbe Nachbar mit eigenem Hausschlüssel. Wer weiterschaut, merkt schnell: dasselbe Wesen trägt überall auf der Welt einen anderen Namen, vom schottischen Brownie bis zum russischen Domowoi.
Zuhause ist, wo der Wichtel ist
Fakt ist: Der Name sagt es schon. Wichtel. Der Schlingel im Haus. Der Geist der Behausung. Das Wesen, das da ist, ob man es eingeladen hat oder nicht, und das sich um alles kümmert, ob man es merkt oder nicht.
Was das in der Praxis bedeutet? Dass deine Socken manchmal woanders auftauchen als dort, wo du sie gelassen hast. Kleine Pflichten des Amtes. Wir nehmen das sehr ernst.
Die Magikitos, die auf dein Zuhause aufpassen, sind übrigens schon da. Schon eine Weile. Sie warten nur darauf, dass du es merkst.