Züngchen im Zug. Zauberstaub gegen den Miesepeter im Zug.
Es war ein Sommernachmittag, und der Zug war brechend voll. Die Waggons, sonst eher ein ruhiger Durchgangsort für unterwegs, haben heute richtig vibriert. Der Grund war ein Fahrgast mit maximaler Grummellaune. Jörg, bekannt für seinen Dauermuffelmodus, hatte seine Beschwerden in die Luft gespuckt, lauter als jedes Gespräch um ihn herum.
„Dieser Zug ist immer voll. Die Leute sollen Fahrrad fahren“, meckerte er. „Der Bürgermeister soll einfach größere Züge kaufen, mehr Waggons dranhängen und mehr Zeiten anbieten.“ Er hat gar nicht aufgehört. Und zack, die Luft wurde schwer. Als hätte sich das schlechte Gefühl gleich mit hingesetzt.
Auf einem Sitz, versteckt durch seine Winzigkeit und ein bisschen Magietarnung, saß Züngchen. Ein verspielter Magikito mit handgestrickter Mütze und einer Jacke voller bunter Flicken. Dieses kleine Zauberwesen merkt menschliche Gefühle sofort. Und er hat es direkt gespürt. Da musste was passieren.
Während der Zug weiterrollte, schlich Züngchen zu Jörg, leise wie ein Schatten. Er zog ein kleines Säckchen aus seiner eigenen Jacke. Mit einer unauffälligen Bewegung ließ er glitzernden Staub frei. Der schwebte langsam durch die Luft und mischte sich mit dem Wind, der durch die offenen Fenster kam. Die Wirkung war fast sofort da.
Sobald die Fahrgäste den Zauberstaub eingeatmet hatten, fing er an zu wirken. Jörg atmete tief aus, schloss kurz die Augen, und als er sie wieder öffnete, war die Stirn nicht mehr gerunzelt. Er schaute sich um, als würde er die Gesichter um sich herum zum ersten Mal wirklich sehen. Dann kam da eine kleine, schüchterne Geste von einem Lächeln.
„Wisst ihr was? Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, nicht allein zu fahren“, sagte er zur Person neben sich. Die guckte erst überrascht, dann einfach nur erleichtert. „Sag mal, wo kommst du denn her? Wie war dein Tag so?“ Und plötzlich ging's los. Die Gespräche breiteten sich im Waggon aus wie eine warme Welle. Kurz darauf war das Lachen, lockeres Geplauder genau da, wo eben nur noch Gemecker war.
Züngchen, zufrieden mit dem Stimmungsupgrade, beobachtete aus seinem Versteck, wie alles leichter wurde. Die Magie hatte getroffen, und während der Zug weiter fuhr, war die Harmonie wieder da. An der nächsten Station stand Jörg mit neuer Energie auf und bot beim Aussteigen einem neuen Fahrgast seinen Platz an. Mit einem fröhlichen „Gute Fahrt!“
Züngchen sah, dass seine Mission erledigt war, und machte sich innerlich schon bereit fürs nächste Abenteuer. Er wusste es: Jeder kleine Zauber macht die Welt ein Stückchen besser.