Stell zwei Magikitos nebeneinander, und schon sehen sie aus, als hätten sie etwas ausgeheckt. Einer scheint genau zu wissen, wo die Kekse geblieben sind. Der andere schaut betont unschuldig. Wenn du näher hinsiehst, fallen dir eine Augenbraue, die Finger und ein leicht schiefer Hut auf.
Beim Modellieren ohne Gussformen lassen sich solche Entscheidungen unmittelbar an jeder Figur treffen. Diese Arbeit genauer kennenzulernen lohnt sich. Dafür müssen wir Menschen, die Formen verwenden, nichts absprechen. Vor und nach dem Abformen können Hände ziemlich viel zu tun haben.
Was ist beim Modellieren ohne Gussformen anders?
Die Gestalt entsteht direkt am einzelnen Stück, statt aus einer Form übernommen zu werden, die eine vorhandene Gestalt wiedergibt. Beim Modellieren wird Material hinzugefügt, abgenommen, gedrückt und verschoben. Werkzeuge, Vorlagen und stützende Gerüste können dazugehören. „Von Hand“ bedeutet nicht „nur mit den Fingern und dann mal sehen“.
Bei einem Gesicht muss zum Beispiel das Zusammenspiel von Stirn, Nase, Wangen und Mund stimmen. Zwei Augen auf eine Kugel zu setzen erledigt noch nicht die ganze Arbeit. Schon eine kleine Änderung am Mundwinkel kann eine Figur fröhlich, misstrauisch oder so aussehen lassen, als wolle sie gleich einen ziemlich großen Gefallen von dir.
Auch ein wiederkehrender Charakter oder eine Skizze kann die Vorlage sein. Ohne Gussformen zu arbeiten heißt nicht, jedes Mal ein völlig neues Motiv erfinden zu müssen. Neu aufgebaut wird die Gestalt dieses einzelnen Stücks.
Was die Form übernimmt und was danach noch kommt
Ein Modell besitzt die Gestalt, die wiedergegeben werden soll. Eine Abformung hält sie als Hohlraum fest, aus dem weitere Stücke entstehen können. Modell und Form sind also nicht dasselbe. Die Form ist nicht automatisch die ursprüngliche Skulptur.
Je nach Material und Verfahren wird eine Mischung hineingegossen, eine Masse hineingedrückt oder es entstehen Einzelteile, die später zusammengesetzt werden. Einfach etwas hineinkippen, trocknen lassen und zur Kaffeepause verschwinden reicht längst nicht immer.
- Beim keramischen Schlickerguss wird Ton verwendet, der in Wasser aufgeschlämmt ist. Anschließend braucht das Stück die passenden Trocknungs-, Brenn- und Bearbeitungsschritte.
- Bei einem Gießharz aus zwei Komponenten beruht das Aushärten auf deren Reaktion miteinander. Zeiten und Verfahren richten sich nach dem Produkt, nicht nach einer allgemeinen Regel wie „einfach trocknen lassen“.
- Nach dem Entformen können noch Teile zusammengesetzt, Formnähte entfernt und Details nachgearbeitet werden. Auch Bemalung und Dekoration brauchen Arbeit. Manche Figuren verbinden abgeformte und frei modellierte Teile.
Das V&A beschreibt Porzellanfiguren, bei denen Handwerker abgeformte Teile zusammensetzten und Details von Hand ergänzten. Formen und handwerkliches Können schließen einander nicht aus.
Selbst ähnliche Produkte können sich unterschiedlich verhalten. Die Anleitung zu einem Gießharz von Smooth-On unterscheidet Aushärten und Entformen und erläutert den Einfluss von Masse und Gestalt auf die Zeiten. Hier vergleichen wir Verfahren. Eine Anleitung zum Mischen von Materialien ist das nicht.
Der Ausdruck entsteht beim Arbeiten
Beim direkten Modellieren lässt sich unterwegs noch umdenken. Eine Hand, die auf dem Knie liegen sollte, hebt sich vielleicht doch. Ein Lächeln wird schüchterner. Ein Hut neigt sich gerade so weit, dass der Wichtel aussieht, als lausche er einem fremden Gespräch.
Das ist nicht alles Zufall. Proportionen können bewusst gewählt sein, das Gleichgewicht muss stimmen und Verbindungen müssen halten. Spontaneität ersetzt keine sorgfältige Verarbeitung.
Magikito-Figuren werden aus Kaltporzellan von Hand und ohne Gussformen modelliert. Sie sind handgefertigte Darstellungen unserer Waldwichtel. Mehr erfährst du im Beitrag über die Figuren. Oder schau dich bei den Wichtelfamilien um.
Achte auf die Hände und Gesichtsausdrücke. Das Foto zeigt das Ergebnis. Um die Herstellung kennenzulernen, braucht es Erklärungen und, falls vorhanden, Bilder der einzelnen Arbeitsschritte.
Original, Edition und Kopie brauchen mehr als ein Etikett
Eine direkt modellierte Figur kann ein Einzelstück sein. Sie kann aber auch ein vorhandenes Motiv wiederholen. Ein mithilfe von Formen hergestelltes Werk kann zu einer künstlerischen Originaledition gehören. Wer daraus „Mit Form, also keine Kunst“ macht, ist auf dem Holzweg.
Das Musée Rodin lässt Originalbronzen herstellen, anhand der Modelle und Formen aus dem Nachlass des Bildhauers und nach seinen Editionskriterien. Wir müssen eine kleine Figur nicht mit Rodin vergleichen, um zu verstehen: Eine Gestalt zu vervielfältigen und Kunst zu schaffen ist durchaus miteinander vereinbar.
Zuneigung verlangt auch kein Exklusivitätszertifikat. Eine geschenkte Figur kann für dich unersetzlich sein, selbst wenn es tausend weitere gibt. Erinnerungen prüfen nicht erst die Seriennummer, bevor sie uns etwas bedeuten.
Ein schiefes Ohr kann gefallen und ein Riss stören
Ein etwas höher sitzendes Ohr kann zum Ausdruck gehören. Eine sich lösende Verbindung braucht womöglich Aufmerksamkeit. Beides als „Unvollkommenheit mit Seele“ abzutun hilft nicht weiter.
Unser Beitrag über Wabi-Sabi lädt dazu ein, Schönheit anders zu betrachten. Damit wird nicht jeder Verarbeitungsfehler zur Tugend. Ein bewusstes Merkmal, eine Abweichung beim Arbeiten und ein Schaden sind verschiedene Dinge.
Das gilt auch für abgeformte Figuren. Eine Formnaht kann sorgfältig entfernt und die Oberfläche hervorragend bearbeitet worden sein. Beurteile das ganze Stück, statt allein für die Technik Punkte zu verteilen.
Erkennt man auf einem Foto, ob Formen verwendet wurden?
Ein Foto kann Hinweise liefern, aber meist nicht den gesamten Herstellungsprozess belegen. Zwei ähnliche Figuren beweisen keine gemeinsame Form. Zwei unterschiedliche beweisen auch nicht das Gegenteil. Bemalung, Ergänzungen und Nacharbeit können das Ergebnis stark verändern.
Ein niedriger Preis, eine lange Wartezeit oder ein eigener Name sind ebenfalls kein Beweis. Eine Figur „Egon“ zu nennen verrät uns nicht, wer ihre Nase gemacht hat. Und eine sichtbare Verbindung ist ein Anlass zum Nachfragen, nicht für ein vorschnelles Urteil.
Wenn dich die Herstellung interessiert, helfen diese Fragen eher weiter:
- Welche Teile werden direkt modelliert und welche mithilfe von Formen hergestellt?
- Aus welchem Material besteht die Figur und wie wird ihre Oberfläche bearbeitet?
- Ist sie ein Einzelstück, eine Variante eines Motivs oder Teil einer Serie?
- Gibt es Fotos oder Erklärungen zu den Arbeitsschritten?
Aus einer Frage muss kein Verhör werden. Eine klare Erklärung hilft mehr als ein Etikett, das alles verspricht.
Zeit zählt, erklärt aber nicht alles
Jede Figur einzeln zu modellieren kann viele Stunden dauern. Ein gutes Modell, eine aufwendige Form und die Nachbearbeitung jedes Abgusses können ebenfalls viel Zeit brauchen. Geht etwas schief, können bei beiden Verfahren Material und Arbeitszeit verloren sein.
Deshalb gilt nicht automatisch „mit Form billig, ohne Form teuer“. Größe, Aufwand, Material, Ausarbeitung und weitere Entscheidungen bei der Herstellung spielen mit. Auch die Belastbarkeit hängt von Material und Konstruktion ab. Eine Dekofigur wird nicht dadurch zum Spielzeug, dass sie aus einer Form stammt.
Woran unser Blick hängen bleibt
Magikitos werden auf dieser Website nicht verkauft. Wir zeigen die Figuren wegen ihrer Gesichtsausdrücke, ihrer Details und der Geschichten, die uns dazu einfallen. Wir mögen diesen Moment, in dem ein winziges Gesicht wirkt, als wolle es gleich etwas sagen.
Wenn dir eine Figur auffällt, schau sie in Ruhe an. Frag nach ihrer Herstellung, wenn du neugierig bist. Und falls der Wichtel weiterhin behauptet, von den Keksen nichts zu wissen, wirf einen Blick in seine Westentasche. Nur zur Sicherheit.