Der Arbeitsweg im Homeoffice ist unschlagbar: zehn Schritte, schon da. Leider steht der Kühlschrank ebenfalls zehn Schritte entfernt. Im Laufe des Vormittags hat er schon drei Höflichkeitsbesuche bekommen. Die Tabelle zeigt sich davon wenig beeindruckt.
Ein brauchbarer Arbeitsplatz muss nicht wie eine Raumstation aussehen. Er sollte zu deinem Körper, deinen Aufgaben und deiner Wohnung passen. Wir schauen, was sich verbessern lässt, ohne aus jedem Einkauf einen Beweis für beruflichen Ehrgeiz zu machen.
Brauche ich fürs Homeoffice ein eigenes Zimmer?
Nein. Ein eigenes Zimmer kann vieles erleichtern, aber auch ein gemeinsam genutzter Raum lässt sich zum Arbeiten einrichten. Wichtig sind zunächst eine stabile Fläche, Platz für die Beine und eine passende Anordnung der Geräte. Am Esstisch hilft eine Kiste zum Wegräumen womöglich mehr als der Traum vom Arbeitszimmer, das gar nicht in die Wohnung passt.
Schau dir die konkreten Schwierigkeiten an. Vielleicht blendet ein Fenster, jemand anderes braucht denselben Tisch oder vor dem Mittagessen muss alles weg. Dafür gibt es unterschiedliche Lösungen. Deine Wohnung fällt nicht durch eine Prüfung, nur weil sie weiterhin eine Wohnung ist.
Erst einmal einstellen, was schon da ist
Setz dich so hin, wie du normalerweise arbeitest, und schau dir den gesamten Platz an. Der Leitfaden der OSHA für Bildschirmarbeitsplätze betont, dass es keine Anordnung gibt, die für alle passt. Die folgenden Hinweise sind ein Ausgangspunkt, keine Haltung zum stundenlangen Erstarren.
- Stuhl und Füße. Der Rücken braucht Unterstützung, die Füße stehen auf dem Boden oder einer stabilen Fußstütze. Stell die Höhe so ein, dass du am Tisch nicht die Schultern hochziehen musst. Armlehnen sollten dich nicht daran hindern, nah genug heranzurücken.
- Tastatur und Maus. Beides sollte gut erreichbar sein, die Ellenbogen bleiben nah am Körper, Hände und Unterarme bilden ungefähr eine Linie. Für die Maus solltest du dich nicht so strecken müssen wie für den letzten Keks.
- Bildschirm. Stell ihn vor dich, ungefähr eine Armlänge entfernt, mit der Oberkante auf Augenhöhe oder etwas darunter. Vergrößere lieber die Schrift, bevor du mit der Nase näher rückst. Je nach Sehvermögen und Brille können Höhe und Abstand anders ausfallen.
Beim Laptop hängen Bildschirm und Tastatur zusammen. Für längeres Arbeiten kannst du ihn auf einen stabilen Ständer stellen und eine separate Tastatur samt Maus verwenden. So lassen sich Bildschirm und Eingabegeräte unabhängig anordnen. Ein externer Bildschirm ist eine weitere Möglichkeit. Den Laptop höher zu stellen und dann mit erhobenen Armen zu tippen hilft wenig. Der HSE zeigt Beispiele für beide Varianten.
Probier die Einstellungen eines Stuhls nach Möglichkeit vor dem Kauf aus. Überleg vor einem riesigen Bildschirm, wie viel Platz du hast und was du tatsächlich sehen musst. „Ergonomisch“ auf dem Karton heißt nicht automatisch „passt zu dir“. Auch der beste Stuhl ersetzt weder Haltungswechsel noch Pausen.
Licht zum Sehen, keine Verhörlampe
Ein seitliches Fenster lässt sich meist leichter nutzen als eines, das sich im Bildschirm spiegelt. Verschiebe die Geräte, stell die Jalousie ein und richte die Lampe auf das, was du beleuchten möchtest. Gut lesen zu können, ohne Blendung oder störende Spiegelungen, ist entscheidend. Darauf zielen auch die Beleuchtungshinweise der OSHA.
Teste für Videokonferenzen erst die Kamera und das Mikrofon, die schon da sind. Eine kurze Aufnahme verrät mehr als zwanzig Zubehöranzeigen. Vielleicht reichen besseres Licht oder ein näher platziertes Mikrofon, statt das halbe Wohnzimmer umzurüsten. Schau auch nach, was hinter dir zu sehen ist. Achte darauf, dass keine privaten Informationen im Bild sind.
Der Arbeitstag darf anfangen und aufhören
Ein kleines Alltagsritual kann den Einstieg erleichtern: Sachen bereitlegen, Termine ansehen und eine erste Aufgabe wählen. Vielleicht hilft dir eine Runde draußen oder frische Kleidung. Ein Schlafanzug hat allerdings keine geheimen Kräfte, mit denen er die Produktivität vernichtet.
Sprich mit deinem Team möglichst über Erreichbarkeit, ungestörte Arbeitszeiten und realistische Erwartungen. Zu Hause helfen Absprachen über Telefonate und gemeinsam genutzte Tische. Dann fällt das „Ich dachte, du bist fertig“ wenigstens seltener. Wer während der Arbeit jemanden betreut, hat zusätzliche Anforderungen. Kopfhörer lösen die nicht.
Zum Feierabend schreibst du auf, womit es morgen weitergeht, speicherst deine Dateien und schließt die Arbeitsprogramme. Stell deren Benachrichtigungen stumm, soweit es zu deinen Absprachen passt. Auf der Liste darf noch etwas stehen. Du musst nicht den gesamten Posteingang besiegen, um dir das Abendessen zu verdienen.
Pausen, bevor du dich zusammengefaltet fühlst
Der HSE empfiehlt kurze, häufige Unterbrechungen der Bildschirmarbeit und nennt fünf bis zehn Minuten pro Stunde als Beispiel. Passe das an deine Aufgaben und Bedürfnisse an. Es ist keine allgemeingültige Leistungsformel.
Schau vom Bildschirm weg, wechsle die Haltung und bewege dich so, wie es dir möglich ist. Ein anderer Bildschirm kann unterhaltsam sein, bleibt aber ein Bildschirm. Eine Erinnerung kann helfen. Lässt die Arbeitsmenge keine Pause zu, muss darüber mit den Verantwortlichen gesprochen werden. Ein strengerer Timer löst das Problem nicht.
Vielleicht tut dir auch Kontakt außerhalb von Besprechungen gut. Ein Gespräch mit Kollegen, gemeinsames Mittagessen oder eine Verabredung nach der Arbeit können zur Woche gehören. Das hängt von deiner Situation und deinem Bedürfnis nach Gesellschaft ab. Eine Pflichtquote gibt es nicht.
Ein bisschen Persönlichkeit, wenn du magst
Ein Foto, eine Pflanze, die du gern pflegst, oder eine Zeichnung können die Ecke angenehmer machen. Vielleicht hast du lieber eine freie Tischfläche. Beides ist in Ordnung. Drei Blumentöpfe sind keine Zulassungsvoraussetzung, und beim Einschalten des Rechners muss dich nicht jedes Mal die Muse küssen.
In unserer Welt gehört der Funke der Kreativität zu den Geschichten der Magikitos. Eine Figur kann dich an diesen Spaß erinnern oder dich zum Lächeln bringen. Diese Bedeutung gibst du ihr selbst. Sie garantiert weder Ideen noch Umsatz oder Gelassenheit. Die Bande findest du bei den Wichteln.

Wie schalte ich ab, wenn ich am Esstisch arbeite?
Versuch, das Arbeitsende durch Wegräumen und einen Wechsel der Tätigkeit sichtbar zu machen. Tastatur, Notizbuch und Laptop kommen aus dem Weg, der nächste Schritt für morgen steht auf einem Zettel und der Tisch bekommt seine andere Aufgabe zurück. Wenn sich nicht alles wegräumen lässt, wähle eine kleine Veränderung, die für dich funktioniert. Eine Abschlusszeremonie mit Blaskapelle ist unnötig.
Vier Fragen helfen beim Prüfen deines Arbeitsplatzes:
- Kann ich bequem lesen und die Geräte bedienen?
- Habe ich Platz für Bewegung und Haltungswechsel?
- Gibt es Pausen und eine vernünftige Feierabendzeit?
- Welches konkrete Problem sollte ich zuerst angehen?
Bei anhaltenden Beschwerden hol dir fachlichen Rat und überprüfe auch den Arbeitsplatz. Wenn du angestellt bist, besprich Ausstattung und Organisation mit den Zuständigen. Eine schöne Ecke gleicht keine unmögliche Arbeitsmenge aus.
Du sollst gut arbeiten können und dich danach anderen Dingen widmen. Der Kühlschrank steht dann immer noch da. Diesmal brauchst du keinen Vorwand mit angeblicher Inspirationssuche.