Schaffensrausch (was Wichtel darüber wissen)

Es gibt im Deutschen ein Wort, das die meisten Leute kennen aber selten benutzen, weil es sich anfühlt, als würde man etwas Heiliges laut aussprechen. Das Wort ist Schaffensrausch.

Rausch, wie Taumel, wie der Zustand wenn etwas von dir Besitz ergreift und du aufhörst, Entscheidungen zu treffen. Schaffen, wie erschaffen, herstellen, in die Welt bringen. Der Schaffensrausch ist, wenn beides gleichzeitig passiert: du machst etwas, aber nicht wirklich du. Irgendetwas macht durch dich.

Wichtel haben dazu eine Meinung.

Was genau ist der Schaffensrausch?

Die romantischen Dichter haben es Inspiration genannt. Schiller hatte seinen Trick mit faulen Äpfeln im Schreibtisch, der angeblich kreative Energie freisetzte. Mozart beschrieb Momente, in denen die Musik quasi von allein kam. Beethoven lief stundenlang durch den Wald und kehrte mit kompletten Symphonien im Kopf zurück.

Was sie alle beschreiben, ist dasselbe: ein Zustand, in dem der denkende, planende, zweifelnde Teil des Gehirns kurz aufhört zu regieren, und etwas anderes die Kontrolle übernimmt. Etwas das schneller ist, freier ist, weniger ängstlich und weniger korrekt.

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi hat diesen Zustand jahrzehntelang untersucht und ihn Flow genannt. Flow entsteht, wenn eine Aufgabe genau am Rand der eigenen Fähigkeiten liegt. Zu leicht, und man ist gelangweilt. Zu schwer, und man ist blockiert. Genau richtig, und der Rausch beginnt.

Aber der Schaffensrausch ist noch etwas anderes als Flow. Flow kann man trainieren. Den Schaffensrausch nicht. Er kommt, wenn er will. Und das Ergebnis ist schlicht sick: so intensiv und dabei so klar, dass alles andere daneben verblasst.

Was haben Wichtel wirklich mit Kreativität zu tun?

Das ist die Frage, die Kunstgeschichtslehrer nie stellen, aber eigentlich sollten.

Der Wichtel im deutschen Volksglauben war nie nur ein Hausgeist, der im Keller saß und Staub sammelte. Er war ein Unruhestifter. Ein Schüttler der Dinge. Wenn im Mittelalter auf einem Hof ein Wichtel lebte, bedeutete das: hier ist etwas Unberechenbares, etwas das Ordnung stört, etwas das Energie hat, die man nicht vollständig kontrollieren kann.

Das klingt nach Chaos. Und es ist Chaos. Aber schöpferisches Chaos. Die Art von Unordnung, die Dinge entstehen lässt.

Die Geschichte der Wichtel und ihrer Beziehung zu den Haushalten, in denen sie auftauchten, ist in unserem Beitrag über Haus-Wichtel in Europa ausführlich erzählt. Was auffällt, wenn man die alten Geschichten liest: Wichtel wurden selten in langweiligen Häusern gesichtet. Sie tauchten dort auf, wo etwas im Gange war. Wo gebaut, gebraut, gesungen oder erzählt wurde.

Schaffensrausch zieht Wichtel an. Oder Wichtel erzeugen Schaffensrausch. Die Richtung ist, Hand aufs Herz, nicht ganz klar. Und das ist der einzige Punkt, über den wir Wichtel uns nicht einig sind.

Der Unterschied zwischen gut und wahr

Gut kann man lernen. Man kann sich zu gut ausbilden, üben, verbessern. Gut ist verlässlich. Gut ist nützlich. Die Welt braucht mehr gutes Handwerk.

Wahr ist etwas anderes. Wahr ist, wenn etwas so herauskommt, dass es nicht anders hätte kommen können. Wenn die Fehler Teil der Wahrheit sind. Wenn man hinterher aufentspannt ist, weil nichts mehr zurückzuhalten war und das Ergebnis einem immer noch ein bisschen fremdartig erscheint.

Zwischen gut und wahr liegt der Schaffensrausch. Und genau dort leben die Wichtel.

Die Magikitos sitzen nicht als Dekoration auf Regalen. Sie sitzen dort, um dich daran zu erinnern, dass dieser Unterschied existiert. Dass die Arbeit, die dich selbst überrascht, möglich ist. Dass der Rausch kommt, wenn er will, und dass man es ihm leichter machen kann, indem man aufhört, ihn zu erzwingen.

Alles über unser Leben zwischen den Schaffensräuschen ist in unserem geheimen Leben nachzulesen. Fair warning: der Terminkalender ist voller als erwartet.

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