Stimmen von der Straße
"Filmen heißt bei uns, sich komisch oder auffällig verhalten. Einer steht da und tut so, als wäre er in einem Musikvideo von irgendeinem Rapper oder so. Komplett übertrieben. Ich denke mir nur, warum filmst du so? Komm mal runter."
Was es bedeutet
Filmen heißt: sich aufführen, als wär man der Hauptcharakter in einem Musikvideo. Zu viel Pose, zu viel Show, komische Moves, auffällig ohne Grund. Sagt man, wenn jemand übertrieben performt und man ihn gern wieder auf normal stellen würde. Oft mit einem genervten Grinsen: komm runter, Bruder.
Verwendungsbeispiele
"Er steht an der Ampel und macht so Gangster-Blicke in die Scheibe, und wir so: Warum filmst du so, wir holen doch nur Snacks."
"Mei Schwester hat im Café Einstein am Kurfürstendamm in Berlin den ganzen Sonntagnachmittag gefilmt, drei Outfit-Wechsel im Bistro der Galerie LaFayette, fünf Fotosessions vor dem Spiegel des Eingangsbereichs, und am Ende der Schicht der Stadt hatte sie keine einzige Foto online gestellt."
"Der neue Kollege der Werbeagentur in Hamburg-Eppendorf filmt während der wöchentlichen Konferenz des Donnerstags so dermaßen, ständig die Hand auf dem Kinn, der Blick in die Ferne wie ein Hollywood-Drama, und die Geschäftsleitung der Filiale hat angeblich schon zweimal das gute Ende des Probevertrages erwogen."
Woher es kommt
Filmen ist in der Hochsprache des Deutschen das Verb für die Aufnahme bewegter Bilder mit der Kamera, aus dem englischen film durch die Anpassung der Sprache des Stummfilms in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts übernommen. Die jugendsprachliche Übertragung des Verbs auf das übertriebene Selbstinszenierungsverhalten ist Produkt der zehnerjahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Plattformen Instagram und TikTok, wo die Nutzer ihr alltägliches Verhalten als Mini-Filmszene inszenieren. Die ironische Aufladung des Begriffs erlaubt der Generation der digitalen Eingeborenen den lockeren Kommentar über die Posing-Kultur der eigenen Generation.
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