Hier wird geschafft, net geschwätzt. Die Schwaben und Badener haben für alles ein Wort, meistens ein sehr effizientes. Sparsamkeit gilt auch bei den Silben.
Gsälz
Marmelade. Klingt seltsam, ist aber in Schwaben und speziell in Stuttgart das Standardwort fürs Zeug auf dem Frühstücksbrot. Hat nichts mit Salz zu tun, kommt wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen sulze. Wer in Stuttgart Marmelade sagt, outet sich sofort als Reigschmeckter. Gsälz aufs Weckle und der Morgen kann kommen. Ob Erdbeer, Himbeer oder Zwetschge, Hauptsache Gsälz.
Weckle
Ein Brötchen, aber halt auf Schwäbisch. Die Verkleinerungsform von Weck, also das kleine Gebäck, das morgens frisch vom Bäcker geholt wird. In Stuttgart ist ein Weckle so selbstverständlich wie der Kessel drumherum. Sag bloß nicht Semmel oder Schrippe, sonst erntest du hochgezogene Augenbrauen und einen Vortrag über schwäbische Identität.
Reigschmeckter
Ein Zugezogener, jemand, der nicht aus Stuttgart oder Schwaben stammt. Wörtlich etwa reingeschmeckt, also einer, der von außen reingeschneit ist. Klingt nicht bösartig, hat aber einen klaren Unterton: Du gehörst noch nicht richtig dazu. Erst nach ein paar Jahrzehnten und fließendem Schwäbisch darfst du dich als halber Einheimischer fühlen.
Laufa lassa
Einen fahren lassen, also pupsen. Schwaben reden nicht gern direkt über körperliche Geräusche, aber wenn's raus muss, dann heißt es eba: laufa lassa. Klingt harmloser als es ist, wird mit einem halben Grinsen benutzt und im besten Fall vom Verursacher mit einem schuldbewussten Blick quittiert. Klassiker bei Maultaschen-Völlerei.
Häfe
Ein Topf, ganz simpel. Wird in Schwaben für alles benutzt, was irgendwie ein Kochgefäß ist. Der Häfe steht auf dem Herd, und drin köcheln Spätzle, Linsen oder Maultaschen. Manchmal auch übertragen: Wenn jemand einen Haufen Schulden hat, sitzt er im Häfe. Schwäbische Küche ohne Häfe ist wie Stuttgart ohne Stäffele.