Sächsisch wird oft belächelt, aber wer genau hinhört, entdeckt eine Sprache voller Charme und Eigenheiten. Hier wird nicht gesprochen, hier wird gesächselt, und das mit Stolz, nu!

Du Kunde
Manu · Sachsen
"Du Kunde. Nicht wie aus dem Kaufhaus, sondern eher als freundlich gemeinte Beleidigung zu einem Freund. Beispiel. Du Kunde. Was hast denn du schon wieder gemacht? Vorzugsweise zu finden im Sächsischen."

Du Kunde

Ist eine freundlich angepfefferte Anrede für einen Kumpel, der wieder irgendwas Dummes, Lustiges oder leicht Verdächtiges abgezogen hat. Nicht böse gemeint, eher ein verbales Zwicken in die Rippen. Das lebt komplett vom Tonfall, denn mit dem richtigen Grinsen klingt es fast schon liebevoll. So ein kleiner Nackenklatscher aus Worten.

"Du Kunde, erst verpeilst du den Schlüssel und dann stehst du mit zwei linken Schuhen vor der Tür, nu hör doch off mit dem Zirkus."

Bemme

Eine Scheibe Brot, meistens belegt. Die Bemme ist in Sachsen das, was anderswo die Stulle oder das Butterbrot ist. Wird oft liebevoll in die Brotdose gepackt und auf Arbeit mitgenommen. Sächsischer Alltagswortschatz durch und durch. Ohne Bemme kein Vesper, ohne Vesper kein Arbeitstag, so einfach ist die sächsische Gleichung.

"Haste deine Bemme eingepackt? Na glor, mit Leberworscht und Gurge druff. Ohne Bemme geh isch doch net uff Arbeit, biste verrückt?"

Nischel

Der Kopf. Wird gern benutzt, wenn jemand einen dicken Schädel hat, ob vom Denken oder vom Trinken. Berühmt ist der Karl-Marx-Nischel in Chemnitz, die riesige Büste, die jeder Sachse kennt. Ansonsten hört man Nischel vor allem, wenn's um Kopfschmerzen geht oder wenn jemand seinen harten Schädel wieder durchsetzen will.

"Mir brummt der Nischel, gesdern zu viel Radeberger gehabt. Na, wenigstens war die Partie gut, das muss der Nischel jetzt aushalten."

Gusche

Der Mund, aber derber. Wenn jemand eine große Gusche hat, redet er zu viel oder zu frech. Halt die Gusche ist die sächsische Variante von Halt die Klappe. Klingt rustikal, ist es auch. Wird unter Freunden locker benutzt, gegenüber Fremden eher als Warnung. Eine Gusche kann aber auch positiv sein: Wer eine flotte Gusche hat, ist schlagfertig.

"Halt deine Gusche, der Nachbar schläft schon! Du labberst seit ner Stunde über dei neues Fahrrad, der ganze Hof hat's schon gehört."

Hitsche

Ein kleiner Hocker oder Schemel, auf dem man gerade so sitzen kann. Die Hitsche steht in sächsischen Küchen, Werkstätten und Gärten rum und wird rausgeholt, wenn ein Gast kommt und kein Stuhl mehr frei ist. Klein, wackelig, aber reicht. Typisch für die sächsische Improvisation: Was da ist, wird genutzt.

"Setz disch uff de Hitsche in de Ecke, ich hol dir en Kaffee. Ja, die wackelt e bissel, aber des hält schon. Bin isch ja auch nicht dran kaputtgeganga."

Stimmen des Volkes

Theorie ist ja schön und gut... aber was uns Magikitos richtig abgeht, ist die Leute aus Sachsen in ihrem natürlichen Flow zu hören. Wenn du einen typischen Ausdruck von dort kennst, schick uns eine Sprachnachricht per WhatsApp mit einem echten Beispiel. Wir fügen ihn zu den Stimmen deiner Gegend hinzu!

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