Was es bedeutet
Du stehst auf der Leitung, wenn du das Offensichtlichste nicht kapierst, obwohl alle anderen schon längst wissen, worum es geht. So als wärst du ein Mensch, der buchstäblich auf dem Kabel steht und kein Signal durchlässt. Der Begriff ist freundlicher als "du bist langsam" — aber kaum. Meistens fällt er nach einer langen Erklärungspause.
Verwendungsbeispiele
"Stehst du auf der Leitung? Der Zug fährt in fünf Minuten ab und du fragst mich noch ob wir gehen sollen."
"Mei Vater hat heute Morgen total auf der Leitung gestanden bei dem Witz vom Schwiegersohn über das selbstfahrende Auto und die Schwester, hat das Punchline drei Mal überlesen müssen und ist dann mit zwei Minuten Verspätung in Lachen ausgebrochen am Frühstückstisch."
"In der Konferenz heute Nachmittag mit dem neuen Marketing-Manager bin ich völlig auf der Leitung gestanden, hab den Slogan-Pitch dreimal lesen müssen und am Ende immer noch nicht verstanden, warum die Kampagne genau Hamburg ansprechen soll und nicht das ganze Hanseatengebiet."
Woher es kommt
Auf der Leitung stehen ist eine Metapher aus der frühen Telegrafen- und Telefontechnik des späten neunzehnten Jahrhunderts, als die Übertragung des Signals durch eine physische Leitung erfolgte, die jederzeit durch ein Hindernis blockiert werden konnte. Der Ausdruck wurde in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in das Alltagsdeutsch übertragen mit der Bedeutung, dass jemand das Gespräch nicht versteht, weil sein Verständnis ausgerechnet im falschen Moment unterbrochen ist. Die Wendung ist auch nach dem Verschwinden der Kupferdrahtleitungen lebendig geblieben, weil das Bild des blockierten Signals so eingängig bleibt.
Andere Arten, es zu sagen
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