Stimmen von der Straße
"Sich finden. Man verliert sich manchmal, aber irgendwann findet man sich wieder zurück zu sich selbst. Man muss es nicht erzwingen, aber vertrauen und das fühlt sich ehrlich und gut an."
Was es bedeutet
Bedeutet, dass du wieder bei dir ankommst, wenn du dich irgendwo zwischen Erwartungen, Stress und Gruppen Vibes verloren hast. Du musst nichts erzwingen, eher Raum geben, ausprobieren, bisschen Abstand, und irgendwann klickt’s: ah, das bin ja ich. Klingt soft, ist aber ziemlich stabil.
Verwendungsbeispiele
"Seit dem neuen Job war ich nur am Funktionieren, dann hab ich wieder Musik angemacht, alleine raus, und langsam hab ich mich wieder gefunden"
"Seit dem neuen Job bei der Werbeagentur in Berlin-Mitte am Hackeschen Markt im Herbst des vergangenen Jahres der dritten Beförderung war ich nur am Funktionieren der täglichen Routine des Großraumbüros der vierten Etage, dann hab ich nach der Probezeit der ersten sechs Monate wieder Musik der Vinyl-Sammlung vom Plattenspieler angemacht am Wochenende der eigenen Wohnung in Friedrichshain, bin alleine mit dem Rucksack raus auf die Wanderung des Wandlitzer Sees am Stadtrand der Hauptstadt, und langsam hab ich mich wieder gefunden zwischen der Stille des Waldes und dem ersten Tag der zweiten Woche."
"Meine Schwester aus dem Stadtteil München-Glockenbach hat sich nach der Trennung von ihrem Freund der drei Jahre vom Lehrstuhl der Universität auf dem dreimonatigen Yoga-Retreat im Allgäu am Rand des Bayerischen Waldes des Tegernsees wieder gefunden bei sich selbst der Wurzeln der Kindheit auf dem Land, sie kam zurück nach München mit dem geknüpften Armband der Yoga-Lehrerin aus Indien des Ashrams der dritten Woche und einem neuen Plan für die Selbständigkeit als Yoga-Lehrerin im Stadtteil-Studio der Maxvorstadt."
Woher es kommt
Reflexivkonstruktion des Verbs finden mit dem Pronomen sich, in seiner heutigen psychologisch-spirituellen Bedeutung in den deutschen Sprachgebrauch eingegangen über die Hippie-Bewegung der späten neunzehnsechziger Jahre, die das englische "find yourself" als emanzipatorisches Lebensprojekt der Generation der Studentenrevolte mitbrachte. Der Ausdruck hat sich in den achtziger Jahren in den deutschen Lebenshilfe-Magazinen und Yoga-Studios der Großstadt etabliert und gehört heute zum Standardvokabular der westdeutschen Mittelschicht zwischen Therapie-Sitzung, Wochenend-Retreat und Online-Coaching der Achtsamkeits-App des Smartphones.
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