Stimmen von der Straße
Was es bedeutet
Bedeutet: ich bin schon auf dem Weg, du kannst dich freuen, i komm gleich. In der Realität ist das manchmal eher eine Wunschbeschreibung als ein Fakt. Der Satz wird gern geschickt, um dich warmzuhalten, während Schuhe noch im Eck liegen. Perfekt für Situationen, wo jemand zu spät ist, aber trotzdem geschniegelt wirken will.
Verwendungsbeispiele
"Er schreibt bin unterwegs, i freu mi, und 30 Minuten später is er immer no ned da, dafür postet er a Story vom Sofa."
"Mein Freund aus dem Münchner Stadtteil Sendling schreibt mir um sieben Uhr abends per WhatsApp aus seiner Studentenwohnung der Lindwurmstraße bin unterwegs zum Restaurant am Marienplatz, ich freue mich auf den Tisch der Reservierung um neunzehn Uhr dreißig, und dreißig Minuten später postet er die Insta-Story vom Sofa der eigenen Couch mit dem ungeöffneten Bier vor dem Fernseher."
"Die Schwiegermutter aus dem Stadtteil Schwabing-West ruft an, sie sei bin unterwegs zum Sonntagskaffee in der Wohnung der Familie in Bogenhausen, wir machen den Apfelstrudel der Konditorei der Hohenzollernstraße im Ofen warm, decken den Tisch mit dem guten Geschirr der Großmutter, und der erste Anruf von ihr selber kommt zwei Stunden später vom Bahnsteig der U-Bahn-Haltestelle der Münchner Freiheit."
Woher es kommt
Standarddeutsche Floskel des deutschen Alltagsgebrauchs, die im zwanzigsten Jahrhundert mit dem Telefon und dann mit der SMS und WhatsApp zur ironisch-paradoxalen Formel der Verspätung wurde. Der Satz bin unterwegs sollte technisch betrachtet bedeuten, der Sprecher befindet sich tatsächlich bereits auf dem Weg, faktisch dient er aber dem warmhaltenden Versprechen während die Schuhe noch im Garderoben-Eck der Wohnung liegen und der Kaffee in der Küche noch dampft. Besonders prägnant im bairischen Tonfall des Münchner Westends, wo der Satz zwischen den Generationen zur familiären Konvention des halbierten Zeitversprechens geworden ist.
Andere Arten, es zu sagen
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