Stimmen von der Straße
Was es bedeutet
Mach ruhig ist die bayerische Erlaubnis mit einer feinen Unterzeile, einer Geste, die freundlich grünes Licht gibt, aber gleichzeitig eine winzige Schwankung mitsendet, falls die Folge unangenehm wird. Wer mach ruhig hört, darf zugreifen, beim letzten Stück Kuchen, beim freien Stuhl am Stammtisch, bei der spontanen Idee fürs Wochenende, und merkt dabei, dass die andere Seite zwar einwilligt, aber innerlich vielleicht doch noch zögert. Das macht die Wendung so charmant: sie verteidigt die Höflichkeit, ohne die eigene Skepsis ganz zu verstecken.
Verwendungsbeispiele
"Er: Kann i mit’m Kumpel no raus? Du: Ja mach ruhig, aber meld di kurz, wennst dahoam bist."
"Mach ruhig, hat mei Mutter gesagt, als ich am Sonntagnachmittag das letzte Stück Apfelstrudel vom Backblech genommen habe, und sie hat dabei ein winziges Augenzwinkern verteilt, das aussah wie zwei Lichter in einem Heimatfilm der fünfziger Jahre."
"Mach ruhig den Fernseher an, hat mei Schwiegervater gesagt, als ich am Samstagabend nach dem Essen den Schalter gefragt habe, und gleich danach hat er das Sportstudio des Bayerischen Rundfunks von neunzehnneunundachtzig auf VHS aus dem Schrank geholt und auf den Tisch gestellt."
Woher es kommt
Mach ruhig ist ein Klassiker der bayerischen Gastfreundschaft mit ironischer Note, dokumentiert seit dem späten neunzehnten Jahrhundert in den Wirtshausstücken von Ludwig Thoma und Ludwig Anzengruber. Die Wendung kombiniert das Verb machen, das im Bayerischen als allgemeine Erlaubnisformel funktioniert, mit dem Adverb ruhig, das die Genehmigung mildert und gleichzeitig ein kleines Augenzwinkern hinzufügt. Im Wienerischen findet sich die parallele Wendung tu nur, mit derselben Mischung aus Freundlichkeit und leiser Vorbehalt.
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