Stimmen von der Straße

Kunzo · Wien
"Marillen sind Aprikosen. Sag niemals Aprikose in Wien. Das ist ein Verbrechen. Marillenknödel sind der Beweis, dass es einen Gott gibt. Beispiel, im Sommer gibt es Marillen vom Naschmarkt. Die sind so saftig, dass dir der Saft am Kinn runter rennt. Das ist Leben."

Was es bedeutet

Marillen sind Aprikosen, und in Wien ist das keine Übersetzung, das ist ein Gesetz. Marille klingt nach Sommer, nach Saft am Kinn und nach Knödeln, die dein Leben kurz verbessern. Aprikose sagen höchstens Leute, die grad erst eingestiegen sind und noch die Fahrkarte suchen. Marille ist das Wort, wenn’s wirklich gut werden soll.

Verwendungsbeispiele

"Am Naschmarkt kauf i Marillen, so reif, dass der Saft gleich rinnt. Daheim gibts Marillenknödel und alle tun plötzlich so, als wärn sie brav."
"Im Wienerwald wachsen die Marillen am Hang über Krems, Anfang Juli kommen die Bauern in die Wachau zum Pflücken und am Sonntag stehen die Kisten vor jedem zweiten Hoftor."
"Beim Heurigen in Grinzing serviert die Wirtin Marillenknödel mit warmer Butter und Bröseln, das Glas Marillenschnaps steht schon daneben, und niemand redet noch über die kommende Arbeitswoche."
Tonfall
Liebevoll Ausgelassen
Wo man es sagt

Woher es kommt

Marille kommt vom italienischen armellino, das wiederum aus dem mittelalterlichen Latein armeniaca stammt, der armenischen Frucht. Über den Süden Europas wanderte das Wort nach Wien, wo es im Lauf der Habsburgermonarchie zum festen Vokabular wurde. In Süddeutschland und Österreich blieb Marille, im Norden setzte sich Aprikose durch.

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