Stimmen von der Straße
"Sich behaupten, das heißt seinen Standpunkt vertreten. In der Diskussion musste ich mich echt behaupten. Nicht laut, aber klare Aussagen, was ich denke und was ich fühle und was ich meine."
Was es bedeutet
Sich behaupten heißt, mit ruhigem Rückgrat im Raum stehen bleiben, auch wenn der Gegenüber lauter spricht, klüger argumentiert oder schlicht mit größeren Schultern wedelt. Es ist die kleine Kunst, die eigene Position nicht zu verteidigen wie eine Burg, sondern wie ein Garten, in dem man die Pflanzen pflegt, ohne den Zaun zu spannen. Wer sich behauptet, lässt die Stimme weich, den Blick klar und die Argumente sortiert auf dem Tisch liegen, bis das Gespräch entweder weitergeht oder sich der Sturm verzieht.
Verwendungsbeispiele
"In der Diskussion musste ich mich behaupten und klar sagen, was ich meine."
"Mei Tochter hat sich im neuen Job in der Marketingabteilung der Firma in Düsseldorf seit dem Antritt im Oktober souverän behauptet, sie nimmt die Kritik des Abteilungsleiters mit Notizblock entgegen und liefert am nächsten Morgen die überarbeitete Strategie mit drei zusätzlichen Vorschlägen."
Woher es kommt
Sich behaupten geht zurück auf das mittelhochdeutsche behaupten im Sinn von eine Burg gegen den Angreifer halten, das im siebzehnten Jahrhundert von der militärischen Sphäre in den geistigen Bereich der Diskussion und der akademischen Disputation übersiedelte. Die Universitäten Heidelberg, Leipzig und Jena der Aufklärung verwendeten das Verb für den Studenten, der seine Thesen gegen die Einwände der Professoren erfolgreich verteidigte. Die moderne Bedeutung des selbstbewussten Auftretens in jeder sozialen Situation hat sich im neunzehnten Jahrhundert mit dem Aufstieg des Bildungsbürgertums und der Idee der persönlichen Würde konsolidiert.
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