Stimmen von der Straße
Was es bedeutet
Seidl ist das kleine Bier, ungefähr 0,3 Liter, perfekt für den schnellen Durst oder wenn man sich einredet, man bleibt eh brav. In Wien wird’s oft als Einstieg bestellt, und dann kommt doch noch was nach, weil ein Seidl so schnell wegschaut wie ein Straßenkater. Es ist das Bierformat für Leute, die planen, aber nicht immer gewinnen.
Verwendungsbeispiele
"I wollt nur a Seidl, wirklich. Nach’m dritten sag i: passt scho, bring glei a Krügerl, weil jetzt is die Wurst eh gebissen."
"I geh nur kurz aufs Seidl ins Eck-Beisl, Mariandl, in zwanzig Minuten bin i zurück. Drei Stunden später kommt er heim mit einem Geheimrezept fürs Gulasch vom Herrn Edi."
"Ein Seidl Märzen und a Verlängerter im Stehen, der Klassiker am Nachmittag im Kaffeehaus zwischen Schreibtisch und Tram nach Hause, wenn der Tag noch nicht ganz fertig sein darf."
Woher es kommt
Seidl ist die wienerische Schreibung des deutschen Seidel, einem alten Hohlmaß aus dem süddeutschen Raum, das etwa 0,35 Liter entsprach und seit dem siebzehnten Jahrhundert in Wirtshäusern als Standardgröße für Wein und Bier verwendet wurde. Mit der Vereinheitlichung der Maße im neunzehnten Jahrhundert wurde das Seidel offiziell ein wenig kleiner, etwa 0,3 Liter, aber in der Wiener Wirtshauskultur ist das Wort als bleibende Bezeichnung für das kleinste Bier am Tresen erhalten geblieben.
Andere Arten, es zu sagen
Editoren dieses Begriffs
Deine Stimme zählt
Echte Straßensprache oder haben wir es übertrieben? Stimm ab.