Stimmen von der Straße
Was es bedeutet
Hawara oder Haberer ist dein Kumpel, dein Spezi, der Mensch, mit dem du alles teilen kannst: saufen, sudern, schweigen, Blödsinn machen. Das Wort klingt schon nach Schulterklopfen und gemeinsamem Blödsinn. Je nach Ton ist es liebevoll oder leicht genervt, aber immer persönlich. Wenn wer Hawara sagt, ist Beziehung im Raum, fix.
Verwendungsbeispiele
"Heast Hawara, kumm mit, i brauch a Luft. Er sagt nix, geht einfach mit, und genau deswegen is er seit der Schulzeit mein Haberer."
"Mei Hawara aus der Volksschule wohnt jetzt in Innsbruck, mir telefonieren noch jeden Sonntag um halb zehn, er erzählt aus dem Krankenhaus wo er als Pfleger arbeitet, ich aus dem Wiener Verlag wo ich Lektorin bin seit fünfzehn Jahren am selben Schreibtisch."
"Der Haberer von meinem Vater ist eingeschlafen letztes Jahr, sechzig Jahre Freundschaft im selben Kaffeehaus auf der Wollzeile, und Papa geht immer noch jeden Dienstag um halb fünf hin und bestellt zwei Melange, eine für sich, eine zum stillen Andenken am Fensterplatz."
Woher es kommt
Hawara hat seine Wurzeln im Wienerischen, vermutlich vom hebräischen chaver, Freund, das durch die jüdisch-österreichische Sprachgeschichte ins Wiener Idiom eingewandert ist. Haberer ist die ostösterreichische Variante, beide bedeuten den engen Freund, den Kompagnon, das männliche Pendant zur Hawara-Frau im Beisl, mit dem man die Welt erklären kann ohne einen Satz zu beenden.
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